San Francisco – Leopold Aschenbrenner galt als neues deutsches Börsen-Wunderkind. 2024 startete er mit einigen Hundert Millionen Dollar. Ende Mai verwaltete sein Fonds mehr als 20 Milliarden, Anfang Juli hatten seine mit Krediten vergrößerten Börsenwetten einen Umfang von rund 45 Milliarden Dollar. Dann begann der Absturz.
Im Juli verlor der Fonds rund 67 Prozent, laut einem Brief an die Anleger. Die Banken verlangten zusätzliche Sicherheiten. Aschenbrenner musste deshalb einen Großteil seines rund 16 Milliarden Dollar schweren, börsennotierten Aktienportfolios kurzfristig an den US-Hedgefonds Citadel abgeben. Während die Wall Street über seinen Milliardencrash spricht, soll der gebürtige Berliner nach BILD-Informationen am Wochenende seine Verlobte Avital Balwit heiraten.
Mit 15 allein nach New York
Aschenbrenner fiel schon früh auf. Mit 14 gewann er den Berliner Landeswettbewerb von „Jugend forscht“. 2016 warnte er beim Grünen-Parteitag vor Millionen Jobverlusten durch Automatisierung: „Wir müssen größer denken.“ Ein Jahr später zog er allein nach New York. „Ich wollte wirklich raus aus Deutschland“, sagte er später. Neugierige Kinder würden hier „kleingehalten“. An der Columbia University schloss er mit 19 als Jahrgangsbester ab. Nach dem Studium arbeitete Aschenbrenner mit seiner späteren Verlobten beim FTX Future Fund, der Forschungs- und Hilfsprojekte finanzierte. 2022 zerbrach das Projekt am milliardenschweren FTX-Betrug. Hinweise auf eine Beteiligung der beiden gibt es nicht.
Vom KI-Forscher zum Börsenstar
Danach wechselten beide in die KI-Branche: Balwit wurde enge Mitarbeiterin von Anthropic-Chef Dario Amodei, Aschenbrenner ging zu OpenAI. Dort forschte er an der Kontrolle mächtiger KI-Systeme. 2024 wurde er entlassen. OpenAI warf ihm vor, interne Informationen weitergegeben zu haben. Er selbst sagte, er habe vor Sicherheitsproblemen gewarnt. Auf Anteile im Wert von fast 1 Million Dollar verzichtete er nach eigener Aussage: „Freiheit ist unbezahlbar.“
Nach seinem Aus bei OpenAI wurde aus dem KI-Forscher ein Star an der Börse. US-Medien feierten ihn als „Nostradamus der KI“. Sein Fonds setzte Milliarden auf Chips, Strom und Rechenzentren. Bis Ende Juni soll sein Fonds Situational Awareness 2026 rund 439 Prozent gewonnen haben.
Seine Warnung wird Realität
Schon beim Start seines Fonds hatte Aschenbrenner die größte Gefahr selbst benannt: Nicht „in die Luft zu fliegen“, sei Aufgabe Nummer 1 und 2. Sein börsennotiertes Aktienportfolio ist nun weitgehend verkauft. Doch seine große KI-Wette bleibt: Der Fonds hält private Beteiligungen, darunter Anthropic-Anteile im Wert von rund 5 Milliarden Dollar. Für den 25-Jährigen muss dieser Rückschlag deshalb noch lange nicht das Ende seiner Erfolgsgeschichte sein.