Magdeburg/Freiburg – Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigt sich Überraschendes: Zwei Parteien, die sich sonst meiden wie der Teufel das Weihwasser, stehen sich inhaltlich näher als vermutet. AfD und Linke teilen laut Auswertung des „WahlSwipers“, die BILD exklusiv vorliegt, nahezu jede zweite Position (47,4 Prozent). Bei der Bundestagswahl 2025 war es nur rund jede Sechste.
Der Politikwissenschaftler Prof. Uwe Wagschal von der Universität Freiburg findet den Befund höchst ungewöhnlich. Er und seine Kollegen bieten die Wahl-Entscheidungshilfe (vergleichbar mit dem Wahl-O-Mat) seit vielen Jahren an, eine ähnlich hohe Übereinstimmung gab es bislang nie: „Bei der Bundestagswahl 2025 war das Paar AfD und Linke im ,WahlSwiper’ mit 15,8 Prozent das Unähnlichste überhaupt“, sagt Wagschal zu BILD. Ein Grund, dass es dieses Mal anders ist: Die Sachsen-Anhalt-AfD setzt deutlich stärker auf soziale Themen als andere Landesverbände. Forderungen nach kostenlosem Mittagessen für Schüler, Kindergarten und einem Deutschland-Ticket für Senioren teilt sie daher mit der Linken.
Parallelen auch zwischen AfD und CDU
„Überall dort, wo es wehtut“, insbesondere bei „Verteilungsfragen“ lägen Linke und AfD dagegen über Kreuz, betont Wagschal. Was die Studie ebenfalls zeigt: Zwischen AfD und CDU gibt es ebenso viel Trennendes wie Verbindendes. Beide Parteien stimmen in der Hälfte aller 38 Fragen überein – sind sich also in etwa so ähnlich wie Linke und AfD. Die größte Übereinstimmung (76,3 Prozent) hat die CDU mit der FDP. Deren Wiedereinzug in den Magdeburger Landtag ist aber ungewiss. In der jüngsten Befragung von „Infratest dimap“ für die „Mitteldeutsche Zeitung“ landet sie bei den „Sonstigen“.
Was sagen die Parteien selbst zu der Auswertung? AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) erklärt auf BILD-Anfrage, dass die Ergebnisse „nicht verwundern“ sollten: „Denn ein programmatisches ‚Weiter so‘, wie es die CDU in den vergangenen 24 Jahren in der Regierung betrieben hat, wird es mit der AfD nicht geben.“ Er wolle allein regieren. CDU-Generalsekretär Mario Karschunke (54) sieht ein Kopf-an-Kopf-Rennen – „derzeit hat keiner eine Mehrheit.“ Über mögliche Koalitionen werde aber erst „nach der Wahl gesprochen“. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann (63) sagt: „Wir kämpfen für eine stabile Regierung aus der demokratischen Mitte mit einer starken SPD.“ Das BSW findet, „dass Linke und CDU wenig programmatisch gemein haben und trotzdem zusammen an die Töpfe der Macht wollen“. Bei einem Einzug ins Parlament erhoffe man sich eine Regierung „jenseits der bisherigen Altparteien“.
Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt stuft den Landesverband der AfD seit November 2023 als „gesichert rechtsextrem“ ein.