Berlin – Elif Eralp (45) umarmt, küsst, lächelt. Die 170 Delegierten auf dem Linken-Parteitag der Hauptstadt feiern ihre Wahlsiegerin wie einen Polit-Popstar mit stehenden Ovationen. Draußen vor der Tür des Dong-Xuan-Hauses im Bezirk Lichtenberg demonstrieren dagegen Extrem-Linke gegen Eralps Politik. Dort steht auch Israel-Hasserin Vanessa Emde (45). Eine Abgeordnete, mit der Eralp keine Arbeitsgrundlage mehr sieht, die aber noch immer Mitglied ihrer Fraktion ist. Ein Koalitionshindernis für das Wunsch-Bündnis mit SPD und Grünen – für die Verhandlungen mit den beiden Parteien will Eralp heute grünes Licht bekommen.
Keine Morddrohungen gegen Eralp
Die Demonstration („Gewählt für Palästina. Verraten für den Senat“) ist ein Bündnis gegen angeblichen Wählerverrat und für Palästinasolidarität. Eine Frau sagt ins Mikrofon: „Es gab keine Morddrohungen gegen Elif Eralp durch Ibrahim Ibrahim.“
Das ist der Terrorunterstützer, dessen Namen Eralp in einem Spiegel-Interview nicht lesen und gestrichen sehen wollte. Grund: Die Angst ihres Mannes und von ihr vor den Israel-Feinden. Fakt ist: Wie ein Schatten folgen Eralp auf dem Parteitag zwei Männer in dunklen Jacken und mit Knopf im Ohr – zwei Personenschützer des LKA.
Eralp will mehr muslimische Perspektive
Eralp lobt in ihrer Rede das gemeinsam bereits ausgehandelte Papier mit Grünen und SPD gegen Antisemitismus: „Zentral war und ist für uns, dass der Schutz jüdischen Lebens und der Kampf gegen Antisemitismus klar benannt wird. Und dafür werde ich mich immer einsetzen, mein Schutzversprechen an die Berlinerinnen und Berliner gilt.“ Aber dann klingt sie fast so wie die Demonstranten vor der Tür: „Dennoch hätte auch ich mir gewünscht, dass auch palästinensische und muslimische Perspektiven noch stärker erwähnt werden, aber auch beispielsweise von Schwarzen Menschen, von Aliviten, von Roma und Sinti.“ In den Koalitionsverhandlungen, die Montag starten sollen, will sie nachlegen: „Anders als vielleicht einige andere bin ich davon überzeugt, dass der Kampf gegen Antisemitismus, gegen anti-muslimischen und anti-palästinensischen Rassismus zusammen gedacht werden müssen, dass wir Brücken und Dialog brauchen und eine zusammenführende und umarmende Politik für alle Menschen in unserer Stadt.“
Beschwerde über Angriffswellen
Auf das Spiegel-Interview kommt Eralp auch in ihrer Rede zu sprechen: „Mich erreichen seitdem Rücktrittsforderungen und noch mehr Hass. Die Redaktion hat unzulässig einen Vermerk veröffentlicht. Mir wird vorgeworfen, ich könne wegen meiner eigenen Sorgen Berlin nicht schützen. Ich sehe es anders: Gerade, weil ich verschiedene Sorgen kenne und verstehe, werde ich genau das tun.“ Sie sagt unter lautem Beifall: „Nur mit geeinter Stimme können wir diese Angriffswellen überstehen.“ Und kündigt an. „Ich werde auf keinen Fall aufgeben.“
Attacke gegen CDU als AfD-Unterstützer
Berlins Linken-Chefin Kerstin Wolter (40) geht in ihrer Rede frontal auf die CDU los: „Wer sich auf die CDU verlässt, ist verlassen. Sie grenzt sich nicht klar gegen die Nazis der AfD ab.“ Die Parteichefin unterstellte, dass am vergangenen Donnerstag elf CDU-Abgeordnete in geheimer Wahl dem AfD-Kandidaten für den Vize-Posten des Parlaments eine Stimme gegeben haben. Wissen kann sie es natürlich nicht. Martin Trefzer (57) hatte 40 Ja-Stimmen erhalten, die AfD hat in der Hauptstadt aber nur 29 Abgeordnete.