Bad Hersfeld/Berlin – Wer erzieht hier eigentlich unsere Kinder? NGOs, Aktivisten, Verbände: Externe Akteure gehören längst zum Schulalltag. Doch wer kontrolliert, welche Botschaften sie unseren Kindern vermitteln? Der aktuelle Fall aus Hessen bewegt die Gemüter. An einer Bad-Hersfelder Grundschule lasen die „Omas gegen Rechts“ den ABC-Schützen Geschichten über Toleranz vor. Die Gruppe ist für ihre politisch linke Schlagseite bekannt. Anschließend diskutierten die Aktivistinnen mit Neuntklässlern über Rassismus und Extremismus. Nach Beschwerden von Eltern wurden nun weitere Termine gestrichen.
Das Schulamt formuliert dazu einen entscheidenden Satz: Schule dürfe „nicht zur unkommentierten Bühne politischer Mobilisierung werden“. Doch genau das führt zur größeren Frage: Wie politisch sind Deutschlands Klassenzimmer inzwischen? Haben Deutschlands Schulen ein Neutralitätsproblem?
Seit Jahren öffnen Schulen ihre Türen für Vereine, Stiftungen, Antirassismus-, Klima- oder Queer-Projekte. Und jeder Verband bringt neben Expertise auch Überzeugungen, Interessen und mitunter seine politische Agenda mit.
Gefahr: Kontrollversagen
Wie gewaltig das schiefgehen kann, zeigte sich an einer Schule im ostsächsischen Schleife. Bei einer Projektwoche für Neuntklässler durch zwei Aktivisten einer Berliner NGO gerieten sexuelle Darstellungen in die Hände von Schülern. Eltern beschwerten sich und erstatteten Strafanzeige. Die Schule brach das Projekt ab. Durchgeführt wurde es von Aktivisten der Berliner Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken.
Das Projekt war mit 2.500 Euro von der umstrittenen Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert worden. Die Stiftung stoppte anschließend die Förderung. Doch der Fall offenbart die Schwachstelle: Geprüft wurde der Förderantrag. Was tatsächlich im Klassenzimmer landete, offenbar nicht ausreichend.
Leitplanke Beutelsbacher Konsens
Eigentlich gibt es dafür seit 1976 eine Leitplanke: den Beutelsbacher Konsens. Er verlangt das sogenannte Überwältigungsverbot: Schüler dürfen nicht zu einer gewünschten Meinung gedrängt werden. Das Kontroversitätsgebot: Was ernsthaft umstritten ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen. Und die Schülerorientierung: Jugendliche sollen lernen, sich ihr eigenes Urteil zu bilden.
Kurz: Schule soll Denken lehren, nicht das Ergebnis des Denkens vorgeben.
Millionen Schüler im „Courage“-Netzwerk
Eines der größten von einem NGO-Netzwerk installierten Projekte in Deutschland ist das „Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des Vereins „Aktion Courage e. V.“ mit Sitz in Berlin. An 5.000 Schulen mit über drei Millionen Schülern. Doch gerade die riesige Reichweite verlangt Antworten: Wer kontrolliert Projekte, Partner und Materialien? Wer garantiert, dass aus Engagement gegen Diskriminierung keine einseitige Tagespolitik wird? Immerhin fließen jährlich auch noch 450.000 Euro Steuergeld aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ an die NGO.
Schluss mit zweierlei Maß
Dass politische Interessen nicht nur bei NGOs eine Rolle spielen, zeigt die Bundeswehr. Ihre Jugendoffiziere erreichten 2025 bei 5.517 Veranstaltungen rund 170.000 Teilnehmer. Ausgerechnet dagegen mobilisieren u. a. GEW und Linke.
Aktuelles Beispiel: Berlin! SPD, Grüne und Linke wollen laut ihrem Sondierungspapier die Kooperationsvereinbarung der Bildungsverwaltung mit der Bundeswehr beenden. Gleichzeitig plant Rot-Grün-Rot ein Demokratiefördergesetz, um „zivilgesellschaftliche Initiativen verlässlicher zu finanzieren“. Die Frage drängt sich auf: Warum gilt beim Soldaten im Klassenzimmer besondere Distanz, während politisch links engagierte NGOs staatlich gefördert werden sollen?