Reutlingen - Sechs Wochen nach dem Brandanschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen hat die deutsche Polizei einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Spezialkräfte griffen am Dienstag im Landkreis Reutlingen zu. Hinter dem Anschlag wird Moskau als Drahtzieher vermutet. Denn für die Ukraine ist das Starlink-System von Elon Musk überlebensnotwendig für die Abwehr russischer Angriffe.
Der in Reutlingen festgenommene Mann ist türkischer Staatsbürger. Er soll zwei zuvor festgenommene Landsleute mit der Tat beauftragt haben, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt mit. Ihm wird die Vorbereitung einer terroristischen Straftat vorgeworfen. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft.
Eigentliches Ziel: Die Ukraine
Das Feuer brach am 23. September in Wola Krobowska aus, rund 50 Kilometer südlich von Warschau. Es zerstörte die Stromversorgung und den Notstromgenerator der Station. Sie leitet auch Internetverkehr der ukrainischen Streitkräfte weiter.
Russland im Verdacht
Polens Geheimdienst-Koordinator Tomasz Siemoniak sagte, es gebe „keinerlei Zweifel“, dass russische Dienste hinter dem Sabotageakt stecken. Moskau greife zunehmend auf Menschen aus der kriminellen Unterwelt zurück. Öffentlich belegt hat Warschau das bislang nicht. Russland weist solche Vorwürfe stets zurück.
Nach SPIEGEL-Informationen führt die Spur zu den „Daltons“, einer türkischen Bande der Organisierten Kriminalität. Sie soll den Auftrag möglicherweise von russischen Geheimdiensten erhalten haben. Die zuerst Festgenommenen, Ümit E. (38) und Müslüm T. (34), sollen laut Sicherheitskreisen womöglich zu der Bande gehören oder von ihren Anhängern beauftragt worden sein.
Warum Starlink für die Ukraine so wichtig ist
Starlink ist für die Ukraine das digitale Rückgrat der Verteidigung. Ukrainische Soldaten nutzen es seit 2022. Damals lieferte SpaceX rund 1.000 Antennen, inzwischen soll das Militär mehr als 40.000 Terminals besitzen. Normales Mobilfunknetz an der Front ist oft gar nicht vorhanden und lässt sich leicht orten. Starlink dagegen funktioniert unabhängig von zerstörter Infrastruktur.
Über Starlink und die Militärvariante Starshield laufen Livebilder, Zielinformationen und Steuerbefehle für Drohnen. Auch Abfangdrohnen gegen russische Jet-Drohnen brauchen die volle Netzstärke. Wie abhängig Kiew ist, zeigte sich Mitte Oktober. Ab dem 14. Oktober funktionierten Terminals nur noch bis etwa 160 km/h. Zehn Tage lang konnte die Ukraine Drohnen mittlerer Reichweite kaum einsetzen. Angriffe auf russische Nachschubwege brachen ein. Musk sagte selbst, ohne Starlink würde die ukrainische Front sofort zusammenbrechen.