Politik

Zwischenruf von Peter Tiede: Diese Jammerabgänge gehen mir auf den Keks!

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Politische Ämter hat man auf Zeit. Ständig sagen das alle Politiker, die schöne Ämter abbekommen haben. Und manchmal sagen sie das – wenn sie Format haben – auch im Abgang. Doch das, was jetzt nach der komplett vermurksten und verholperten Personal-Rochade des Bundeskanzlers an Jammerei hochkommt, das ist auch wieder kurz vor würdelos. Mindestens so, wie das Vorgehen des Kanzlers.

Zum Beispiel Patrick Schnieder, der Mann, der bis eben noch Verkehrsminister war. Dass er gerade im Island-Urlaub war, als Jens Spahn Personalbedarf per US-Leihmutter ausgelöst und der Kanzler das zur NOTWENDIGEN Personalveränderung in seinem Team genutzt hat, dafür kann der Kanzler nichts. Für das Wie? Ja.

Dass Schnieder-Bruder Gordon Schnieder, CDU-Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz, das zum Anlass für eine Art Fehde nimmt, dass die Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz eine Kanzler-Visite absagt – im Impuls zu verstehen. Aber das hier ist Politik. Der Chef ist der Kanzler und der bestimmt, wer bei ihm auf dem Platz steht. Man möchte den Schnieders und Rheinland-Pfälzer Unionisten den Spruch aus „Fack ju Göhte“ zurufen: „Heul’ leiser, Chantal!“

Ebenso Tino Sorge. Der CDU-Bundestagsabgeordnete war Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium. Seine Ministerin wird Kanzleramtschefin. Der neue Gesundheitsminister: Carsten Linnemann. Und natürlich bringt der eigene Leute mit! Und er hat Tino Sorge darüber rechtzeitig Bescheid gegeben. Dass Sorge sauer, beleidigt oder nur enttäuscht ist, kann man verstehen. Aber ist das ein Grund, einen Drama-Opern-Abgang wie Don Giovanni hinzulegen, unter dem die Erde bricht und sich die Hölle auftut? Geht es vielleicht eine Nummer kleiner? Tino Sorge wird nun wieder normaler Bundestagsabgeordneter. So ist das Politikerleben.

Und Patrick Schnieder, der nun auch nicht der allerbeste Verkehrsminister der Geschichte war, bekommt zwar keine Ministerpension (erst nach vier Jahren). Aber ein Jahr lang Übergangsgeld.

Also: Einfach mal auf dem Teppich bleiben. Das ist Politik. Und zwar ganz oben. Da ist die Luft dünn – die Nerven sollten es nicht sein. Die Jammer-Abgänge zeigen zumindest mir: Da waren welche auf jeden Fall nicht besser als ihr Kanzler.

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