Tel Aviv/Washington – Schock und Drama im Westjordanland: Der Sohn des israelischen Botschafters in den USA Jechiel Leiter (66) ist bei einem mutmaßlichen Anschlag mit einem Auto schwer verletzt worden. Der Reservesoldat Neria Leiter soll an einem Kontrollpunkt Dienst gehabt haben, als ein Fahrer sein Auto auf ein Polizeifahrzeug zusteuerte.
Die israelische Armee erklärte, der mutmaßlich palästinensische Angreifer sei getötet worden. Auch die israelische Polizei sprach von einem „Terroristen“. Ein Soldat, der mit der Polizei zusammenarbeitete, sei verletzt worden.
Für die Familie Leiter ist die Nachricht besonders bitter: Botschafter Jechiel Leiter schrieb auf der Plattform X, sein Sohn Neria benötige ein Wunder, um zu überleben.
Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom hatte zuvor mitgeteilt, ein etwa 30 Jahre alter Mann habe schwere Verletzungen erlitten und sei bewusstlos. Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge an einer Militärsperre im Grenzgebiet zu Israel.
Es ist nicht das erste schwere Schicksal für die Familie: Leiters älterer Sohn war Medienberichten zufolge bereits im November 2023 mit drei weiteren Reservisten im Norden des Gazastreifens getötet worden.
Der Anschlag sorgt auch politisch für neue Brisanz. An diesem Donnerstag wird bei der UN-Generaldebatte in New York unter anderem eine Rede von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (76) erwartet. Der Nahost-Konflikt dürfte dabei erneut eine zentrale Rolle spielen.
Hamas lobt den Anschlag
Die islamistische Terrororganisation Hamas bezeichnete den Anschlag als „heroische Operation“. Sie sprach von einer „natürlichen Reaktion“ auf Angriffe radikaler israelischer Siedler und rief zu verschärftem „Widerstand in all seinen Formen und mit allen Mitteln“ gegen die Besatzung und Siedler im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems und im Westjordanland auf.
Die ohnehin angespannte Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg weiter verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden dort seitdem mehr als 1100 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet. Gleichzeitig nahm auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser deutlich zu.