Unter den ungezählten Helden, die John Wayne spielte – Sheriff, Armeeoffizier, Outlaw, Viehtreiber, Pilot, Geheimagent – fehlte nach vier Jahrzehnten eigentlich nur noch ein Feuerwehrmann. 1968, zwischen dem Vietkong-Abschlachter in „Die grünen Teufel“ und dem trunksüchtigen Raubein von „Der Marshal“, verkörperte er schließlich den Traum eines jeden Jungen und jeder Braut. In „Die Unerschrockenen“ spielte er einen Feuerwehrmann, der auf das Löschen brennender Öl- und Gasquellen spezialisiert ist. Das Vorbild war der legendäre Großbrandbekämpfer Red Adair (1915–2004).
Waynes Adair hat viel mit einem eigenwilligen Töchterlein und lästigen Guerillas zu kämpfen, bevor er schließlich auf ein Raupenfahrzeug klettert, an dem ein horizontaler Kran baumelt. Dessen Ende mit einem Paket Nitroglyzerin fährt er über die höllisch qualmende Ölquelle, dann löst er eine Explosion aus, und das Feuer erstickt.
Lange war dies das Spektakulärste, was filmische Brandbekämpfung zu bieten hatte. Waldbrände standen nicht hoch im Kurs, Hochhausbrände umso mehr. In „Flammendes Inferno“ bekämpft Steve McQueen Feuer im höchsten Gebäude der Welt in San Francisco, in „Skyscraper“ rettet Dwayne Johnson seine Familie aus einem Hong-Kong-Hochhaus (natürlich das höchste der Welt). In „Im Feuer“ wird Joaquin Phoenix in einem Wolkenkratzer in Baltimore eingeschlossen. Auch das höchste deutsche Gebäude kommt nicht ungeschoren davon: Ein Kabelbrand setzt in „Das Inferno“ den Berliner Fernsehturm in Flammen. Wie Red Adair löscht der deutsche Brandheld per Explosion.
Wie sich das für gute Katastrophenfilme gehört, denken sie das, was geschehen könnte, einfach nur voraus. Red Adair löschte 117 brennende Ölquellen in Kuwait, beim Brand des Grenfell Tower in London kamen 72 Menschen ums Leben. Nun, in Zeiten der globalen Erwärmung, breiten sich Waldbrandfilme aus.
Es gab einige frühe, darunter einen deutschen von 1916 und die „Feuerspringer von Montana“ (1952), die damit enden, dass die erschöpften Brandbekämpfer sich rundum Zigaretten anstecken. Im Wesentlichen jedoch begann die Waldbrandfilmkonjunktur mit den Feuersbrünsten der jüngeren Jahre. Schuld sind nicht mehr Pyromanen, sondern das Klima. Überlebten in den „Feuerspringern“ noch alle Männer ihren Einsatz, so entkommt in „No Way Out – Gegen die Flammen“ ein einziger von 20.
Die Bilder werden schockierender, in „No Way Out“ rennt ein brennender Bär aus dem Wald. In dem französischen „The Blaze“ sind es brennende Wildschweine, und zunehmend sind es nicht mehr kompetente Experten, die etwas gegen die Katastrophe tun, sondern ganz und gar unheldische Menschen, die in den Flammen, dem Rauch und der Hitze gefangen sind. In „The Lost Bus“ mit Matthew McConaughey, einem der neuesten – und eindrücklichsten – Waldbrandfilme, gerät ein Schulbus zwischen die Feuerfronten, und kein Wasserflugzeug und keine Spezialeinheit kann die Kinder retten, nur der Mut ihres Fahrers.