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Frank Luntz warnt: Umfragen könnten Trumps Stärke unterschätzen

Frank Luntz warnt: Umfragen könnten Trumps Stärke unterschätzen
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Washington – Droht den Republikanern bei den US-Wahlen ein Debakel? Oder passiert wieder das, was Amerika schon mehrfach erlebt hat: Donald Trump und seine Partei sind plötzlich stärker, als die Umfragen vorhergesagt haben?

Kurz vor den Midterms am 3. November ist die Nervosität gewaltig. Die Republikaner liegen in den Befragungen zum Abgeordnetenhaus und dem Senat deutlich hinten, könnten in beiden Parlamentskammern die Mehrheit an die Demokraten verlieren. Auch Trumps persönliche Werte sind schwach. Vieles sieht deshalb nach einem bitteren Wahlabend für seine Republikaner aus.

Meinungsforscher zweifelt an seinen eigenen Umfragen

Aber jetzt warnt einer der bekanntesten US-Meinungsforscher davor, Trump abzuschreiben. Frank Luntz, der unter anderem für prominente Republikaner gearbeitet hat und seit Jahrzehnten das Wählerverhalten untersucht, sagt im Gespräch mit WELT (gehört wie BILD zu Axel Springer): Die Umfragen könnten ein falsches Bild vermitteln. Denn: Republikanische Wähler seien in Umfragen nur schwer zu erreichen.

Luntz sagt: „Die Stimmen für die Republikaner werden unterschätzt, weil deren Wähler nicht kooperativ sind.“ Viele glaubten, das System sei gegen sie manipuliert und beantworteten deshalb Umfragen nicht. Trumps „versteckte Stimmen“ könnten erst am Wahlabend sichtbar werden. „Ich bin sehr nervös, dass auch ich in meinen eigenen Umfragen die sogenannten versteckten Stimmen für Trump nicht akkurat abbilde.“ Heißt: Ein Top-Demoskop zweifelt an seinen eigenen Umfragen.

Auch bei den Präsidentschaftswahlen lagen viele Umfragen falsch

Genau diese Trump-Falle verfolgt die Demoskopen seit Jahren. Bei den vergangenen drei Präsidentschaftswahlen wurde Trumps Stärke vor dem Wahltag jeweils unterschätzt. 2024 deutete bis zum Wahlabend laut Umfragen alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und Kamala Harris hin – die meisten Umfragen sahen die Herausforderin sogar leicht vorne. Am Ende war es ein Erdrutsch-Sieg für Trump. Allerdings traten ähnliche Fehler bei Midterms in der Vergangenheit deutlich seltener auf.

Laut Luntz haben die Republikaner aktuell tatsächlich große Probleme. Viele Amerikaner seien mit ihrem Leben und ihren wirtschaftlichen Perspektiven unzufrieden. Hinzu kommt der anhaltende Krieg mit den Iran-Mullahs, einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine hat Trump entgegen seines Versprechens immer noch nicht erreicht. Luntz’ Analyse: Die Demokraten gewinnen nicht unbedingt, weil die Amerikaner plötzlich begeistert von ihnen sind, sondern weil die Republikaner verlieren.

Besonders gefährlich für Trump: das Thema Bezahlbarkeit. Luntz beschreibt Wähler, denen es schwerer fällt, Geld zurückzulegen, Benzin zu bezahlen oder sich kleine Extras zu leisten. Seiner Ansicht nach gelingt es den Republikanern derzeit nicht, diese Sorgen ausreichend anzusprechen.

Trotzdem: Luntz erinnert daran, dass viele Beobachter schon 2016 und 2024 glaubten, bestimmte Skandale oder Äußerungen würden Trump politisch erledigen. Sein Urteil: „Man darf seine Fähigkeit, Menschen zu erreichen, nicht unterschätzen.“

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