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Friedrich Merz: Die Personalie Ilse Aigner wird zur Frage der Ehre

Friedrich Merz: Die Personalie Ilse Aigner wird zur Frage der Ehre
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Berlin – Dieser Mega-Trip war ganz nach dem Geschmack von Friedrich Merz (70, CDU). Eine Woche weg vom Berliner Polit-Klein-Klein, 9913 Flugkilometer entfernt, 34 Stunden in der Luft mit dem Regierungs-Airbus. In Singapur (erste Station) bat ihn Premierminister Lawrence Wong (53) zur „Orchideenehrung“. Gefeierter Redner war Merz dann auch in Tokio (Japan), wo ihn Ministerpräsidentin Sanae Takaichi zum „Premiumpartner“ adelte. Und in Seoul (Südkorea) gab’s von der versammelten Unternehmerschaft zum Abschied Ovationen im Stehen. Ein Labsal für die Kanzler-Seele, diese Asien-Pazifik-Reise.

Merz hatte hier seine Idee für eine Fusion von Freihandelszonen der EU mit Mittelmächten wie eben Südkorea präsentiert, um besser gegen Großmächte wie China bestehen zu können, die nicht nach den Regeln Handel betreiben. Merz: „Wir brauchen schnell neue Freunde.“ Umsetzung? In ein paar Jahren, wenn’s gut geht.

Merz betrachtet die Entscheidung als Frage der Ehre

Doch ein ungelöstes Problem war mitgereist nach Asien – und das muss jetzt sofort nach seiner Ankunft gelöst werden in der Berliner Problemzone; denn es nervte Merz auf seiner Reise mit zunehmender Schlagzeilen-Dichte mehr und mehr. Das Problem heißt Ilse Aigner (61). CSU-Chef Markus Söder (59) hatte kurz vor Beginn der Merz-Reise beim Parteitag in München Festspiele für seine Bundespräsidentschaftskandidatin Aigner veranstaltet.

Und die Zustimmung der Vertreter von SPD und Grünen wuchs stündlich, während Merz am anderen Ende der Welt nach neuen Freunden suchte. Aigner, die überparteiliche Kandidatin der Herzen? Merz selbst ist mit Aigner befreundet. Aber er betrachtet es, das wurde auf seiner Reise deutlich, als Frage der Ehre, sich nicht von Söder eine Person für Bellevue aufzwingen zu lassen.

Söder kennt die Schwachstelle von Merz

Söder aber kennt die entscheidende Schwachstelle bei Merz: Der Kanzler hatte zwar den Anspruch, aber in Wahrheit keine zündende Idee für eine Kandidatin aus der CDU. Es solle möglichst eine Frau werden, hieß es aus dem Umfeld von Merz auch auf der Reise weiter, wenngleich dementiert wurde, dass das mit SPD-Chef Lars Klingbeil (48) fest verabredet sei. Aber welche? Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53)? Lehnt die SPD ab. Bildungsministerin Karin Prien (61)? Kommt in der eigenen Partei nur bedingt gut an.

Und so war es Merz recht, als plötzlich, während er noch in Singapur war, Hessens CDU-Fraktionschefin Ines Claus (49), eine bundesweit unbekannte Juristin, als neue Favoritin genannt wurde. Merz ließ das zunächst sogar undementiert laufen. Aber der Druck, sich zu erklären, wurde zu groß. Und so schwärmten auf dem Weiterflug von Singapur nach Tokio seine Leute aus und brieften an Bord die Journalisten. Tenor: Merz hat noch gar nichts entschieden, er wolle jetzt den Prozess moderieren. Damit aber heizte er aus dem Ausland das Spekulationskarussell zu Hause noch weiter an. Die entscheidende Frage bleibt: Wen will Merz? Und was hat er eigentlich gegen Aigner, außer dass sie in der CSU ist?

Antworten darauf gab es dann in Seoul. Der nächste Bundespräsident müsse eine Staatskrise meistern können – etwa, wenn der Bundestag aufgelöst und Neuwahlen ausgerufen werden, hieß es. Das klang nun nach einem Kandidaten vom Schlage eines Roman Herzog (gestorben 2017), der Verfassungsgerichtspräsident gewesen war, bevor er für Bellevue auserwählt worden war. Nach Leuten wie Ex-Verfassungsrichter Udo di Fabio (72) oder Stephan Harbarth (54, aktuell Präsident des Verfassungsgerichts). Schönheitsfehler: Beide sind keine Frauen. Zustimmung der SPD? Unwahrscheinlich.

Die CDU könnte für Aigner einen Preis verlangen

Und so blühen Merz nach seiner Landung in Deutschland unerfreuliche Verhandlungen mit Klingbeil und Söder. Diese könnten am Ende dazu führen, dass es eben doch Aigner wird. Die Frage wäre dann eher: zu welchem Preis? CDU-Leute haben da Ideen. Zum Beispiel die Streichung der geplanten Anhebung der Mütterrente, die eigentlich nur Söder gut findet, aber den Haushalt akut belastet (fünf Milliarden/Jahr).

Aber kann Merz überhaupt noch einen Preis verlangen, wenn alle anderen sich einig sind? Der Kanzler hat sich für dieses Wochenende mehrere Krisentelefonate vorgenommen. Am 9. November könnte er im CDU-Präsidium einen Namen nennen.

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