Krakau (Polen) – Zuerst erschoss er offenbar seine Familie, dann richtete er ein Blutbad auf dem Marktplatz von Krakau an! Am Samstag sind in Polen insgesamt neun Menschen getötet und mindestens 15 weitere verletzt worden. Der Täter (24) wurde gefasst, nachdem er in der Altstadt aus einem Auto heraus wahllos auf Passanten und die Polizei gefeuert hatte. Sechs der Opfer kamen dabei ums Leben – vier Frauen und zwei Männer.
Am späten Abend der nächste Schock: In der Wohnung des Attentäters wurden bei einer Durchsuchung drei weitere Leichen gefunden, wie Ministerpräsident Donald Tusk (69) bekanntgab. Es soll sich dabei um die Eltern und eine Schwester handeln. Der Schütze, der an dem Tag einen „Akt des Terrors“ begangen habe, sei von „rechtsextremen Ideologien fasziniert“ gewesen, hatte Polens Regierung zuvor erklärt.
Täter von Polizei niedergeschossen
Polnischen Medienberichten zufolge sollen bei der Schießerei in Krakau auch Polizeibeamte verletzt worden sein. Der mutmaßliche Schütze sei laut Behörden von den Einsatzkräften zunächst angeschossen und dann gefasst worden. Er wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht und operiert.
Er trug Tarnkleidung und hatte mehrere Waffen
Laut den Ermittlern sei der gebürtige Pole gegen 15 Uhr auf den Marktplatz gefahren und habe dabei mit einem halbautomatischen Sturmgewehr vom Typ AR-15 wahllos auf Menschen geschossen. Dabei wurde auch die Fahrerscheibe einer Straßenbahn durchschlagen. Der Täter saß dabei offenbar selbst am Steuer. Sein Motiv ist bislang unklar.
Aufnahmen in den sozialen Netzwerken zeigen, wie ein Mann in Tarnkleidung verletzt am Boden liegt, ein Gewehr daneben. Eine Sprecherin der Polizei bestätigte in der lokalen Zeitung „Gazeta Krakowska“: „Der Täter trug Militärkleidung und benutzte eine Waffe militärischen Typs. In seinem Auto befanden sich zahlreiche Waffen und Munition.“
Im Fernsehen erzählte ein Augenzeuge des Weiteren, er habe den Mann gesehen, sein Gesicht sei jedoch durch eine Art Helm oder Maske verdeckt gewesen. Er soll eine kugelsichere Weste getragen haben.
Kursierende Gerüchte, wonach es einen Komplizen gebe, wurden dementiert: „Der einzige bekannte Täter befindet sich in Gewahrsam“, so die Polizeisprecherin. Dabei handelt es sich nach Behördenangaben um den polizeibekannten Handwerker Michal O. aus dem etwa 200 Kilometer entfernten Ostrowiec Świętokrzyski.
Die Nachrichtenagentur PAP berichtete unter Berufung auf einen Fotoreporter, dass der 24-Jährige auf der Flucht an einer Kreuzung in ein anderes Auto gekracht sei. Er sei daraufhin aus dem schwarzen Subaru gesprungen und habe auf die Einsatzkräfte geschossen. Diese hätten das Feuer erwidert. Ein Beamter sei getroffen worden, drei weitere seien unter den Verletzten.
„Leute rannten in Panik in die Geschäfte“
Viele Passanten berichteten später von Chaos unter den Menschen auf dem Marktplatz: „Meine Frau rief an. Sie arbeitet auf dem Hauptmarkt. Sie sagte, jemand habe auf dem Marktplatz geschossen. Die Leute gerieten in Panik und rannten in die Geschäfte. Dann hat wohl ein Polizist jemanden erschossen.“
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk (69) schrieb auf X: „Tiefe Anteilnahme an die Familien und Angehörigen der Opfer des tragischen Attentats in Krakau. Höchste Anerkennung für die heldenhaften Polizisten, die unter Einsatz ihres Lebens handelten. Und ein dringender Appell an Politiker aller Lager: Spielt nicht mit dieser Tragödie. Wir werden alle Umstände dieses Verbrechens aufklären.“