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Berlin trauert um CSD-Opfer: Kanzler Merz will Regenbogen verteidigen

Berlin trauert um CSD-Opfer: Kanzler Merz will Regenbogen verteidigen
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Berlin – Über dem Altar liegt eine Regenbogenflagge. Kerzenlicht flackert durch die Marienkirche. Einen Tag nach dem Terroranschlag auf dem Berliner CSD suchen hier, genauso wie am Brandenburger Tor, Tausende Menschen Trost. Viele weinen. Andere halten sich in den Armen. Die Trauer ist greifbar. Als Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) eine Kerze abstellt und sich mit ungewöhnlich persönlichen Worten direkt an die queere Community richtet, wird es still in der Kirche. Sekunden später brandet Applaus auf.

Die Kirchenbänke am Alexanderplatz sind voll. Neben dem Kanzler beten auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) für die Opfer des CSD-Terrors und eine freiheitliche Gesellschaft.

„Schlechte Witze sind bereits Teil einer solchen Gewalt“

Dann will Merz ein „sehr persönliches Wort an die queere Community richten“: „Meine Damen und Herren, nicht erst ein solcher Anschlag wie gestern Abend gefährdet unsere Freiheit. Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung, dumme Redensarten, schlechte Witze …“ Applaus für den Kanzler. „… sind bereits Teil einer solchen Gewalt. Nicht erst das, was wir gestern Abend erlebt haben und was Sie erleben mussten. Und deswegen möchte ich Ihnen etwas zurufen: Wir werden alles tun, um die Freiheit unseres Landes und unserer Gesellschaft zu schützen. ALLES!“

Für Anwesende ist die Szene bemerkenswert, weil Merz in der Vergangenheit mit Äußerungen zu Homosexualität Irritationen ausgelöst hatte. So geriet er 2020 in die Kritik, nachdem er bei BILD erklärt hatte, die sexuelle Orientierung sei kein Thema, „solange es nicht Kinder betrifft“.

Bundeskanzler Merz: „Feiern Sie wieder!“

Heute steht hier ein anderer Friedrich Merz. Nach dem CSD-Terror bricht dem Kanzler die Stimme. Mit Blick auf die Zukunft sagt er: „Wir werden mit Bedacht, aber auch mit sehr großer Entschlossenheit alles tun, um genau das zu verhindern.“ Wieder brandet Applaus auf.

Merz weiter: „Feiern Sie wieder! Zeigen Sie den Gegnern unserer Gesellschaft das fröhliche und das einvernehmliche Gesicht einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft. Dafür stehe ich ganz persönlich.“

Imamin Seyran Ates zitiert den Koran

Beim mutmaßlichen Täter handelt es sich um den polizeibekannten IS-Anhänger Abdul Ballout (21). Im christlichen Gotteshaus spricht auch Imamin Seyran Ates (63). Sie sagt: „Als Muslimin möchte ich an einen Vers aus dem Koran erinnern, der zu den wichtigsten ethischen Grundsätzen des Islam gehört: Wer einen Menschen tötet, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und wer einem Menschen das Leben erhält, so ist es, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“

Für Gott sei es nicht wichtig, welche Religion, Herkunft oder sexuelle Orientierung jemand habe, sagt Ates. „Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes.“ Oder, wie es im Grundgesetz steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für sie gebe es keinen Widerspruch zwischen Koran und Grundgesetz, so die Geistliche.

Nach der Gedenkandacht ziehen die Trauernden zum Brandenburger Tor. Kanzler Merz besucht den Tatort des Anschlags, legt weiße Blumen ab. Schon am Nachmittag kamen Hunderte zum Brandenburger Tor, um zu trauern. Berlin weint.

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