Frankfurt – Ein zweijähriges Kind, das niemals eingeschult werden wird. Eine 17-Jährige, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatte. Ihr 19-jähriger Freund. Ein 29 Jahre alter Polizist, der anderen helfen wollte. Sie alle fehlen. Hinter jedem dieser Opfer stehen Eltern, Geschwister, Partner, Freunde. Menschen, für die ein einziger Tag ihr Leben für immer auf entsetzliche Weise verändert hat. Heute sind sie in Frankfurt zu sehen – um den Opfern schlimmster Gewalttaten endlich ein Gesicht zu geben.
„Ich war selten so besorgt um die Bundesrepublik Deutschland.“ Mit deutlichen Worten hat Manuel Ostermann (35), Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), bei der „Trauerwache Deutschland“ auf dem Frankfurter Römerberg vor gesellschaftlichen Fehlentwicklungen gewarnt. Besonders alarmierend sei für ihn ein „kollektiver Freiheitsverlust“, weil sich viele Menschen inzwischen im Alltag unsicher fühlten. Gleichzeitig erinnerte er an die Menschen, die durch Gewalt, Terror und Messerattacken ihr Leben verloren haben.
Bei der Gedenkveranstaltung auf dem Römerberg stehen die Opfer und ihre Angehörigen im Mittelpunkt. Die Initiative „Trauerwache Deutschland“ erinnert an Menschen, die seit 2015 durch Gewalttaten, Attentate und Anschläge ums Leben gekommen sind. Anschließend ist ein Trauermarsch geplant.
Ann-Marie war gerade erst 17
Einer, der weiß, was es bedeutet, einen geliebten Menschen durch Gewalt zu verlieren, ist Michael Kyrath: Seine Tochter Ann-Marie war 17 Jahre alt, als sie am 25. Januar 2023 gemeinsam mit ihrem Freund Danny (19) in dem Regionalzug von Kiel nach Hamburg bei Brokstedt (Schleswig-Holstein) getötet wurde.
Ibrahim A. griff Fahrgäste mit einem Messer an. Ann-Marie und Danny starben, vier weitere Menschen wurden schwer verletzt. Später wurde der staatenlose Palästinenser unter anderem wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Seit dem Tod seiner Tochter kämpft Kyrath dafür, dass die Opfer nicht vergessen werden. Heute gehört er zum Team der „Trauerwache Deutschland“. Er sagt zu BILD: „Wir sind hier, um die Geschichten der Menschen zu erzählen, die es selbst nicht mehr können, und den Hinterbliebenen eine Stimme zu geben, denen sonst keiner zuhören möchte.“
Auf dem Römerberg wird auch an Menschen wie Rouven Laur erinnert. Der 29 Jahre alte Polizeihauptkommissar wurde 2024 bei einem islamistischen Messerangriff auf dem Mannheimer Marktplatz ermordet. Oder an den erst zweijährigen Jungen, der 2025 bei einem Messerangriff auf eine Kindergartengruppe in Aschaffenburg getötet wurde.
„Alle Opfer haben ein Anrecht auf Gedenken“
Genau diese Angehörigen von Opfern will die Initiative zusammenbringen!
Kyrath: „Es geht uns auch darum, diese Menschen zu vernetzen, um ihnen zu zeigen: Schaut mal, ihr seid keine bedauerlichen Einzelfälle, wie uns die Politik weißmachen will, und schaut mal, ihr seid nicht allein. Alle Opfer haben ein Anrecht auf Gedenken. Da spielen Glaube, Herkunft und Hautfarbe keine Rolle und erst recht keine politischen Befindlichkeiten.“
Ostermann: „Es geht ausschließlich um die Opfer“
Zu den Rednern in Frankfurt gehört Manuel Ostermann (35), Bundesvorsitzender der Deutschen Polizei-Gewerkschaft (DPolG). Vor seinem Auftritt sagt er zu BILD: „Die Botschaft der Trauerwache ist unglaublich stark. Die Organisatoren sind Menschen, die um die Opfer der Gewalt seit 2015 trauern und an sie erinnern. Es geht nicht um parteipolitische Botschaften, sondern um gemeinsames Gedenken.“
Neben Ostermann wird auch Journalistin und BILD-Kolumnistin Julia Ruhs sprechen. Sie beschäftigt sich journalistisch immer wieder mit Migration und innerer Sicherheit.
Messergewalt und Migration
Viele der Taten, an deren Opfer heute erinnert wird, haben auch die Debatte über Migration und innere Sicherheit geprägt. Brokstedt. Mannheim. Solingen. Aschaffenburg. Bei vielen dieser Taten waren die Täter Asylbewerber oder Menschen, die bereits abgeschoben werden sollten.
2025 registrierte die Polizei bundesweit 29.243 Straftaten als Messerangriff – 0,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei der Gewaltkriminalität insgesamt waren 42,9 Prozent der Tatverdächtigen keine deutschen Staatsbürger, das sind geringfügig weniger als im Jahr 2024; da waren es 43,1 Prozent.