Berlin – Rohrkrepierer statt Zeitenwende. Das Kampfhubschrauber-Projekt von Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) droht zum milliardenschweren Debakel zu werden. Der Bundesrechnungshof zerlegt in einem vertraulichen Bericht, über den der „Spiegel“ berichtet, die Planung des Verteidigungsministeriums: Die neuen Airbus-Hubschrauber kommen verspätet. Und sie können zunächst nicht einmal schießen.
Es war eigentlich ein einfacher Auftrag: Die Bundeswehr sollte schnell neue Kampfhubschrauber bekommen, indem man auf ein marktverfügbares Modell setzt. Andere Nationen nutzen es bereits, sogar der ADAC als Rettungshubschrauber. So mussten Rüstungsschmieden nicht erst einen neuen Kampfhelikopter entwickeln.
So teuer sind die Hubschrauber
Für rund 2,5 Milliarden Euro soll Airbus bis Ende 2028 Militärvarianten des H145 liefern. Doch die Bundeswehr bekommt zunächst Maschinen in „vorläufiger Konfiguration“. Die können „nicht kämpfen, sondern lediglich ausbilden“. Der Rechnungshof spricht von einem Projekt „auf einem kritischen Pfad“. Die Prüfer werfen dem Ministerium vor, den Aufwand unterschätzt zu haben, einen zivilen Hubschrauber zu einem militärischen Kampfgerät umzurüsten.
Was das Problem mit den Hubschraubern ist
Es liegt an der Munition! Die Bundeswehr hat bisher die Geschosse für die Bordkanone noch nicht getestet. Die bisher verfügbare 20-Millimeter-Munition kann wegen „einer elektrostatischen Empfindlichkeit des Anzündhütchens“ nicht als sicher eingestuft werden. Wann der Hersteller den Mangel beheben kann, ist offen.
Der Hubschrauber in Zahlen
Weitere Anschaffung hat Technik-Macken
Auch bei den Panzerabwehrraketen stockt es. Die ersten Schussversuche im Mai 2025 mussten wegen technischer Probleme bei der Steuerung abgebrochen werden. Trotzdem plant das Verteidigungsministerium, für 384 Millionen Euro Lenkflugkörper zu beschaffen. Und das noch bevor deren Einsatzfähigkeit nachgewiesen ist. Der Rechnungshof warnt vor dem Risiko, „dass der Lenkflugkörper die Einsatzprüfung nicht besteht“ und für die „Bundeswehr im Einsatz nicht nutzbar“ wäre. Auch bei der Anschaffung von vier neuen MEKO-Fregatten gibt es Probleme. Sie sollen rund 5,3 Milliarden Euro kosten.
Dramatische Folgen: Die Bundeswehr soll der Nato bis 2029 zwölf und ab 2032 insgesamt 72 einsatzbereite Kampfhubschrauber zur Verfügung stellen. Ob das gelingt, ist fraglich.
Die Rechnungsprüfer empfehlen, das Projekt grundlegend zu überprüfen und die Bestellung weiterer 20 Helikopter vorerst auszusetzen. Doch Boris Pistorius hatte den H145 längst zum Erfolgsmodell erklärt. Bei der Übergabe des ersten Exemplars sagte er, man habe die „Drehzahl der Beschaffung deutlich erhöht“ und sprach von „gelebter Zeitenwende“.