London – Als „Raubtier“ auf einem Kriegsschiff bezeichnet zu werden, dürfte selbst in der Royal Navy selten vorkommen. Doch genau dieses Urteil fällte ein britischer Militärrichter über Matrosin Sian D. (25).
Die junge Soldatin soll auf dem Zerstörer HMS Dauntless über Monate hinweg Jagd auf ihre eigenen Kameraden gemacht haben. Am Ende landete sie selbst vor Gericht und wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt. Außerdem flog sie aus der Marine.
Die Szenen, die während des Prozesses geschildert wurden, lesen sich wie aus einer schlechten Bord-Soap. Enge Gänge, kleine Kabinen, monatelange Einsätze auf See. Rückzug? Kaum möglich.
Sie hatte es offenbar auf Neuankömmlinge abgesehen
Genau dieses Umfeld soll die Matrosin ausgenutzt haben. Laut Gericht griff die Matrosin Männern in den Schritt, zwickte Kollegen an Brust und Brustwarzen, schlug Kameradinnen auf den Po und begrapschte deren Brüste. Dazu machte sie anzügliche Sprüche wie: „Ich mag meinen Kaffee so wie meine Männer: groß und stark.“ Besonders häufig soll es Neuankömmlinge getroffen haben, von denen sie offenbar glaubte, dass sie sich nicht wehren oder sie nicht melden würden.
Ein männlicher Seemann berichtete, wie er nach einem Vorfall völlig vor den Kopf gestoßen gewesen sei. Eine Kameradin schilderte schlaflose Nächte. Sie habe die Beschuldigte als extrem einschüchternd erlebt. Weil beide sogar in derselben Unterkunft lebten, habe sie lange Angst gehabt, überhaupt etwas zu sagen. Die Atmosphäre an Bord sei von Unsicherheit geprägt gewesen.
Richter: Auf dem Schiff sei sie ein „Raubtier“
Vor dem Militärgericht auf dem Armeestützpunkt Bulford in Südengland wurde deutlich, wie ungewöhnlich der Fall ist. Die Vorwürfe richteten sich gegen eine Frau, die sowohl Männer als auch Frauen sexuell belästigte. Der Richter sprach von einer „beschämenden Kampagne“ gegen die eigenen Kameraden. D. hat Menschen gedemütigt, eingeschüchtert und das Vertrauen innerhalb der Besatzung beschädigt. Sein hartes Urteil: Auf dem Schiff sei sie ein „Raubtier“ gewesen.
Die 25-Jährige bestritt die Vorwürfe lange Zeit. Ihre Verteidigung verwies unter anderem auf eine Autismus-Diagnose. Das Gericht ließ sich davon jedoch nicht überzeugen. Am Ende blieb es bei sechs Schuldsprüchen wegen sexueller Übergriffe, 18 Monaten Militärhaft und dem endgültigen Rauswurf aus der Royal Navy.
Ausgerechnet auf einem Kriegsschiff, wo Kameradschaft als wichtigste Währung gilt, soll sie ihre eigenen Kollegen zu Opfern gemacht haben.