Zürich – Jahrzehntelang gehörte seine Stimme zum Schweizer Fernsehen, mit seinen Sportkommentaren wurde Hans Jucker (†65) zur TV‑Legende. Viele Jahre nach seinem Tod wird jetzt bekannt: Der langjährige SRF-Journalist war ein verurteilter Sexualstraftäter. Jucker wurde 1971 wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt, wie verschiedene Schweizer Medien am Montag berichteten. Betroffen waren demnach ein Junge unter 16 Jahren sowie vier weitere Jugendliche unter 20 Jahren.
Über einen Zeitraum von rund zwei Jahren soll Jucker die Jugendlichen in seine Wohnung eingeladen oder mit ihnen in abgelegene Waldstücke gefahren sein. Insgesamt soll es zu rund 20 Vorfällen gekommen sein. Laut damaligem Urteil gestand Jucker die Taten, zeigte jedoch keine Reue. Die Geschehnisse seien „halb so schlimm“, ein „großer Schaden“ sei nicht entstanden, soll er erklärt haben.
Ehemaliges Heimkind berichtet von Übergriff
Einer der Betroffenen ist Willi Fegble (71). In seiner jetzt erschienenen Biografie „Ich bin ein Unfall“ berichtet er über seine schwierige Jugend in Schweizer Heimen und auch über seine Begegnungen mit Jucker.
Fegble schildert darin, wie Jucker ihn im Alter von 15 Jahren nach dem Sport unter der Dusche sexuell bedrängt haben soll. Gesprochen habe er damals mit niemandem darüber. Von Juckers Verurteilung habe er selbst erst im Zuge der Recherchen für das Buch erfahren.
SRF löscht Highlight-Clips
Beim Schweizer Rundfunk sorgt der Fall nun für Konsequenzen. Der SRF weiß nach eigenen Angaben seit einigen Wochen von der Verurteilung. Nun prüfe man die Informationen und den damaligen Umgang des Senders mit dem Fall. Erste Konsequenzen wurden bereits gezogen: Highlight-Clips des früheren Sportkommentators wurden von eigenen und externen Plattformen entfernt. Historische Archivbeiträge, etwa Zusammenfassungen von Sportereignissen mit Juckers Kommentar, bleiben dagegen verfügbar.
Susanne Wille, Generaldirektorin der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), kündigte zudem eine „unabhängige, externe Aufarbeitung“ an. Sie denke an die Kinder und Jugendlichen, denen Leid zugefügt worden sei und die noch heute damit leben müssten. „Das erschüttert mich.“ Die Untersuchung soll auch klären, welche Rolle der SRF damals spielte und ob der Sender seine heutigen Schutzmaßnahmen weiter verbessern muss.