Washington – Schicksalswahlen in Amerika: Bei den Kongress-Zwischenwahlen entscheiden die US-Wähler über die Macht im Kongress – und die Zukunft der Präsidentschaft von Donald Trump (80). Die Demokraten lagen in den letzten Stunden des dramatischen Milliarden-Wahlkampfs in Umfragen vorn.
Die Partei sieht die Chance in Griffweite, Trump zumindest teilweise an die Leine nehmen zu können. Die Republikaner wiederum fürchten, ein Denkzettel für den Präsidenten könnte sie die Macht in beiden Kongresskammern (Repräsentantenhaus und Senat) kosten. Doch was sind die wichtigsten Szenarien nach der Wahl? Was wäre, wenn? BILD analysiert:
Szenario 1: Die Umfragen stimmen – die Opposition erobert den Kongress im Erdrutschsieg
Trump stünde vor einem völlig neuen Machtgefüge in Washington. Die Demokraten könnten konservative Gesetzesinitiativen blockieren – der Präsident würde wohl verstärkt per Dekret regieren. Das Weiße Haus würde mit einer Fülle angekündigter Korruptionsuntersuchungen belagert.
Auch Untersuchungen zu möglichen Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (†66) sind im Gespräch. Trump könnte Gesetzesvorstöße der Demokraten per Veto blockieren – etwa Vorhaben, die seine Iran-Politik einschränken sollen.
Szenario 2: Repräsentantenhaus fällt, Senat bleibt republikanisch
Angesichts der hohen Erwartungen wäre bei den Demokraten der Katzenjammer groß. Trump könnte sich zum „Sieger“ erklären – auch weil frühere Präsidenten teils weit herbere „Midterm“-Niederlagen einstecken mussten. Ein demokratisch kontrolliertes Repräsentantenhaus könnte dennoch Ermittlungen gegen Trump einleiten. Politologe Jim Melcher glaubt, „dass Trumps Beliebtheit dadurch noch weiter beschädigt wird“, wie er zu BILD sagte.
Szenario 3: Beide Kammern bleiben in Trumps Händen
Trump als Triumphator! Wieder hätte er eine erwartete Abfuhr abgewendet, der Mythos vom politischen Stehaufmännchen wäre weiter gefestigt. Mit noch mehr Selbstvertrauen könnte ein aggressiverer Kurs folgen – in den USA, aber vor allem auch in der Weltpolitik. Allerdings: Die Chancen für dieses Szenario lagen zuletzt auf der Prognose-Plattform Kalshi bei nur sechs Prozent.
Szenario 4: Trump verliert – und erkennt das Ergebnis nicht an
Die Albtraum-Variante – für Amerikas Demokratie! Trump erklärte schon kryptisch, er werde die Ergebnisse nur anerkennen, wenn die Wahlen „fair“ verliefen. Auffallend häufig sprach er über angeblichen Wahlbetrug, während seine Regierung juristisch gegen Wahlregeln mehrerer Bundesstaaten vorgeht und vor angeblichen Stimmabgaben durch Nichtstaatsbürger warnte. Schon 2020 hatte Trump seine Wahlniederlage, damals gegen Joe Biden (D, 83), nicht eingestanden. Am 6. Januar 2021 stürmten schließlich seine Anhänger den Kongress.