Washington – Das war Politik im einfachen Modus. Die Demokraten gingen mit denkbar günstigem Rückenwind in die Zwischenwahlen. Ihnen stand ein 80-jähriger Amtsinhaber gegenüber, der seine beiden wichtigsten politischen Versprechen gebrochen hatte: die Preise zu senken und die USA aus ausländischen Kriegen herauszuhalten. Gleichzeitig bereicherte er sich und seine Familie für alle sichtbar.
Zwar betonte Donald Trump den ganzen Abend, dass sein Name nicht auf dem Wahlzettel stand. Doch das Ausmaß der Niederlage der Republikaner, eine der schwersten, die eine Partei in den USA seit Jahrzehnten erlitten hat, spiegelt eher die Wut der Wähler auf den Präsidenten wider als eine besondere Begeisterung für das Programm der Demokraten.
Dennoch ist jetzt klar: 2028 können eigentlich nur noch die Demokraten selbst verspielen. Um das Weiße Haus zu gewinnen, müssen sie lediglich die goldene Gelegenheit nutzen, die sich ihnen bietet. Auf Nummer sicher gehen, keine Experimente machen, einen Kandidaten aufstellen, an dem sich möglichst niemand stört. DENN: Die Helden des Abends sind überwiegend vernünftige Zentristen, die in traditionell republikanischen Hochburgen große Vorsprünge erzielten.
Vier Namen könnten jetzt wichtig werden
Jon Ossoff in Georgia. James Talarico (37) in Texas. Roy Cooper (69) in North Carolina. Sie alle distanzierten sich vom bisherigen Image der Demokratischen Partei, streiften den Ballast unpopulärer Identitätspolitik ab und konzentrierten sich auf wirtschaftliche Alltagsthemen, die alle Amerikaner betreffen. Keiner von ihnen ist besonders aufregend. Und das muss nichts Schlechtes sein, nachdem die Amerikaner unter Trump genug Aufregung für ein ganzes Leben erlebt haben.
Abdul El-Sayed, der wichtigste Vertreter des linken und zum Teil anti-israelischen Flügels in diesem Wahlzyklus, hat in Michigan souverän gewonnen. Linke Demokraten werden das als Beweis dafür präsentieren, dass ihr Modell funktioniert: große politische Vorhaben wie eine kostenlose Gesundheitsversorgung und ein Verbot der Forschung an besonders fortgeschrittener KI, kombiniert mit einer harten Haltung gegenüber Israel.
Demokraten brauchen keinen neuen Obama
Allerdings fiel El-Sayeds Vorsprung mit rund fünf Prozentpunkten deutlich geringer aus als jener der „langweiligen Zentristen“. Und das, obwohl er in einem traditionell demokratischen Bundesstaat antrat, während seine Parteikollegen dort kandidierten, wo die Leute Cowboyhüte tragen und Frauen mit „Ma’am“ ansprechen.
Sollten die Demokraten Kamala Harris (62) oder Gavin Newsom (59) nominieren, würden die Wähler schlicht zu ihrem alten Urteil über die Partei zurückkehren: zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Also: nach vorne schauen. Den „heißen“ Ossoff wählen oder einen anderen Vertreter dieser jungen Millennial-Politiker.
Die Partei braucht keinen politischen Superstar wie Barack Obama (65), auch wenn das natürlich helfen würde. Jemand Langweiliges dürfte völlig ausreichen.