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Internationale Medien spotten über Deutschlands Rettungs-Drama

Internationale Medien spotten über Deutschlands Rettungs-Drama
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Anholt (Dänemark) – War es Mitgefühl? Deutsche Ingenieurskunst? Oder längst pure Hysterie? Internationale Medien reagieren irritiert auf die deutsche Rettungsaktion für den gestrandeten Timmy. Von London bis Hongkong und sogar in der Walfang-Nation Japan wurde berichtet – viele wunderten sich, manche lachten, manche lästerten: „Populismus“, „Dekadenz“ und „Deutschland hat den Verstand verloren“.

Japan: Timmy wird zu deutschem Phänomen

Japan, das 2019 den kommerziellen Walfang wiederaufgenommen hat und 2026 rund 400 Tiere jagen will, zeigte sich überrascht, dass Deutschland trotz seines Rufs als Land der Regeln keinen Plan für einen gestrandeten Buckelwal hatte. Die Behörden hätten „zwischen wissenschaftlichen Gutachten, öffentlichem Druck und rechtlichen Grenzen improvisieren“ müssen, schreibt das Portal „Postposmo Japan“. Die Rettung sei zwar ein Beispiel deutscher Ingenieurskunst, zugleich sei „der Fall ‚Timmy‘ zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden“.

England: Deutschland hat den Verstand verloren

Besonders hart urteilte der britische „Telegraph“ über die Szenen an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern: Deutschland habe wegen eines gestrandeten Wals „den Verstand – und die Seele“ verloren. Aus einer Tiernotlage sei „ein nationaler Erregungsfall“ geworden. Vor allem soziale Medien hätten die Stimmung immer weiter aufgeheizt.

Hongkong: Timmy spaltet Deutschland

Sogar in Hongkong wurde über den Fall berichtet. Die „South China Morning Post“ schrieb nach dem Transport von Timmy in der Barge Richtung Nordsee: „Gestrandeter Wal bewegt und spaltet Deutschland: ‚Befreit Timmy!‘“ Von Medienrummel, wütenden Auseinandersetzungen, Verschwörungstheorien und Morddrohungen ist die Rede. Der Soziologe Christian Stegbauer erklärt, viele Menschen hätten den Wal zur Projektionsfläche gemacht. In sozialen Medien habe sich „eine Art Wettbewerb darum, wer sich am meisten um das Tier sorgt“ entwickelt. Tierschutz hätte kaum noch eine Rolle gespielt.

USA: Sehnsucht nach Verschwörung

Auch US-Medien sahen in Timmy längst mehr als nur einen erschöpften Wal. Die „New York Times“ schrieb: „Zwei Sehnsüchte des modernen westlichen Lebens sind die nach Gemeinschaft und die nach Verschwörung. In den mehr als zwei Monaten, nachdem er erstmals in die Ostsee geraten war, befriedigte Timmy beides.“ Zugleich zeigte die Zeitung noch am meisten Verständnis für die deutsche Improvisation und wertete die Rettungsaktion als zutiefst menschliche Geste.

Schweden: Symbol für alles, was in Deutschland schiefläuft

Der schwedische Sender „TV4“ zog ein bitteres Fazit: „Der Wal einte Deutschland zunächst. Dann legte er tiefe Risse offen. Und schließlich lag die Vorliebe des Landes für Populismus für alle sichtbar da.“ Die schwedische Zeitung „Sydsvenskan“ kommentierte noch spitzer: „Vergesst die Straße von Hormus – jetzt zählt die Bucht von Wismar.“ Der erschöpfte Wal sei zum Symbol für alles geworden, was in Deutschland schieflaufe. Und die niederländische Zeitung „NRC“ nannte die millionenteuren Rettungsversuche sogar „ein Musterbeispiel für Dekadenz“.

Während die internationale Debatte weiterläuft, richtet sich der Fokus inzwischen wieder auf das Tier selbst: Der Kadaver von Buckelwal Timmy treibt seit mehr als einer Woche vor der dänischen Insel Anholt. Laut dänischen Behörden soll er abtransportiert und untersucht werden.

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