Oslo (Norwegen) – Er hatte in den letzten Wochen verbissen und bis zur letzten Instanz darum gekämpft, aus der U-Haft entlassen zu werden. Daraus wurde aber für Marius Borg Høiby (29), den Skandalsohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52), nichts. Allerdings weiß er jetzt schon: Mitte Juni kann er dem Osloer Gefängnis endlich den Rücken kehren.
Aus der lang ersehnten Freiheit wird jedoch nichts. Das Osloer Gefängnis mit seinen 243 Häftlingen wird geschlossen. Es gilt als veraltet, die Abrissbirne wartet bereits. Alle Häftlinge ziehen deshalb in andere Gefängnisse um. Auch Marius muss sich deshalb bald an eine neue Umgebung gewöhnen.
Über 90 Jahre altes Gemäuer
Das Osloer Gefängnis war seit 1934 eine der wichtigsten Haftanstalten des Landes. Traditionell saßen hier Häftlinge mit kurzen Strafen ein. Die Einheimischen nennen es „Bayer‘n“. Der Grund: Hier stand vor langer Zeit mal eine Bierbrauerei, und Bier nennen die Norweger in der Umgangssprache „Bayer“ („Trinkst du einen Bayer mit mir?“).
Bier gibt es hier natürlich nicht, aber neben den Zellen auch Werkstätten und Schulräume. Trotzdem entsprach es nicht länger den modernen Richtlinien für Gefängnisse. 2022 fiel der Entschluss: Das Gefängnis wird abgerissen! Bis 2031 entsteht ein modernes Hochsicherheits-Gebäude für 140 Häftlinge.
Die Gefangenen, die im Moment noch in Oslo untergebracht sind, werden deshalb verlegt. Zur Auswahl stehen Haftanstalten im 130 Kilometer entfernten Ilseng und im 40 Kilometer entfernten Romerike. Wann Marius verlegt wird und in welches Gefängnis er kommen wird, ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, dass Marius und seine Familie auf das nahe Romerike hoffen.
40 Anklagepunkte, Urteil Mitte Juni
Marius Borg Høiby stand bis Mitte März sieben Wochen lang vor Gericht. Ihm wurden rund 40 Straftaten vorgeworfen: mehrfache sexuelle Nötigung, häusliche Gewalt, Körperverletzung, Drogentransport und Verstoß gegen ein Kontaktverbot. Vor Gericht zeigte sich: Ein junger Mann ohne Ausbildung und Lebensinhalt, mit Hang zu Drogen und Alkohol. Einer, der keinen Respekt vor Frauen hat und selbst ein Kontaktverbot missachtet.
Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten. Seine Anwälte forderten in den meisten Anklagepunkten Freispruch und argumentierten in ihrem Plädoyer, dass 18 Monate Haft ausreichen würden. Das Urteil wird am 15. Juni bekannt gegeben.