Economia

Höhere Mehrwertsteuer „wäre der Sargnagel für den Konsum in Deutschland“

Höhere Mehrwertsteuer „wäre der Sargnagel für den Konsum in Deutschland“

Eine höhere Mehrwertsteuer zur Finanzierung von Entlastungen bei der Einkommensteuer stößt bei den Deutschen auf wenig Zuspruch. In der repräsentativen Studie des Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) wurde den Teilnehmern ein Szenario vorgelegt, bei dem die Einkommensteuer um 100 Euro pro Monat gesenkt wird und gleichzeitig zusätzliche Kosten von 40 Euro durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer entstehen. Nur jede vierte befragte Person beurteilt eine solche Reform positiv, 42 Prozent negativ.

Besonders groß ist die Ablehnung bei Älteren und Personen mit niedrigem Einkommen. Unter denjenigen, die weniger als 2000 Euro im Monat zur Verfügung haben, sind nur 18 Prozent dafür und 48 Prozent dagegen. Aber selbst jene mit höherem ‌Einkommen ab 4000 Euro lehnen diese Steuerreform eher ab (34 Prozent dafür, 36 Prozent dagegen). „Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wäre der Sargnagel für den privaten Konsum in Deutschland“, betonte das Institut.

Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugen

Die Bewertung der geschilderten Steuerreform gehe mit einer geringeren Konsumbereitschaft einher, sollte sie tatsächlich in Kraft treten. So würde eine solche Reform nach Aussagen von mehr als der Hälfte der Befragten den Konsum nicht ankurbeln, sondern die Sparneigung erhöhen. Lediglich fünf Prozent geben ‌an, durch das unter dem Strich höhere Einkommen zu mehr Konsum motiviert zu werden.

„Viele Menschen nehmen steigende Preise im Alltag unmittelbar wahr und reagieren sensibel darauf – deutlich stärker als auf zusätzliche Einkommensspielräume“, sagte NIM-Studienleiterin Katharina Gangl der Nachrichtenagentur Reuters. „Statt zusätzliche Dynamik zu entfachen, besteht auch vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage die Gefahr, dass durch eine solche Reform Konsum zurückgestellt oder eingeschränkt wird.“ ‌Vor dieser Entwicklung sei daher zu warnen – insbesondere, ‌da vom Export angesichts von Zöllen und zunehmender Regionalisierung mittelfristig kaum Impulse zu erwarten seien.

Anfang 2027 soll der Bundesregierung zufolge eine Einkommensteuer-Reform greifen, deren ‌Details noch ausgearbeitet werden. Finanzminister Lars Klingbeil will dabei vor allem kleine und ‌mittlere ‌Einkommen entlasten. Zur Gegenfinanzierung schlagen manche Experten eine Anhebung der Mehrwertsteuer vor, etwa von aktuell 19 auf 21 Prozent.

Potresti esserti perso